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	<title>Antano Stanevičiaus svetainė</title>
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	<description>Antano Stanevičiaus svetainė</description>
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		<title>Antano Stanevičiaus eilėraščiai vokiečių kalba</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Apr 2011 16:32:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Išvertė Rasa Krupavičiutė Tarik Übersetzt aus dem Litauischen von Rasa Krupavičiutė Tarik &#160; *** Ich hütete Kühe,                                                             Ganiau karves Verlor mein Messer - Heute noch tut es leid. &#160; Ich mähte Heu, Trat mit der Zeh auf die Sense - Immer noch tut es weh. &#160; Ich bin auf der Kirchweih geboren. Heute noch Feiere [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Išvertė Rasa Krupavičiutė Tarik</p>
<p>Übersetzt aus dem Litauischen von Rasa Krupavičiutė Tarik</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>Ich hütete Kühe,                                                             <strong>Ganiau karves</strong></p>
<p>Verlor mein Messer -</p>
<p>Heute noch tut es leid.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich mähte Heu,</p>
<p>Trat mit der Zeh auf die Sense -</p>
<p>Immer noch tut es weh.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich bin auf der Kirchweih geboren.</p>
<p>Heute noch</p>
<p>Feiere ich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ein Gespräch mit dem Klügsten                                                       Pokalbis su protingiausiu</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Von oben äußerstem Norden</p>
<p>Kam der Frost angekrochen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Sonnenstrahlen fielen auf Kaffee,</p>
<p>Daß du in Tränen ausbrachst.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im Herzen eine gähnende Leere,</p>
<p>Daß man den Reif als Beschlag gern hätte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das Echo hat deinen Schrei</p>
<p>Weder bestätigt noch verleugnet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Freue dich, nur einen halben Fehler gemacht zu haben</p>
<p>Laß dieses verdorbene Weibstück zur Hölle fahren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Du liest Bücher</p>
<p>Über den ersten Krieg.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Früher hast du vom Kolchos gestohlen,</p>
<p>Heute stiehlst du von den Menschen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit dem LkW, starrend vor Tannengrün, wird einer gefahren,</p>
<p>Auf dem Friedhof begraben, in der Nacht liegen gelassen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bisher, dein Leben lang, hast du Material gesammelt</p>
<p>Für diesen Bericht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>Mit meinem Vater sitze ich im Pferdewagen,                                                               <strong>Su t</strong><strong>ė</strong><strong>vu sėdim</strong></p>
<p>Und in der Rädern knarrt der Herbst.</p>
<p>Der Herbst ist braun, bejahrt und kahl,</p>
<p>Doch sollte man ein Ringen mit ihm unterlassen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich sehe an den muskulösen Vater,</p>
<p>Strammen, muskulösen Herbst</p>
<p>Und träges Pferd auf einem Windelpfad.</p>
<p>Die aderige Erde spricht die Räder an:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das Hemd verfaulte auf dem Rücken,</p>
<p>Von Wölfen abgenagt die Joppe,</p>
<p>Die Währung wechselte sich zehnmal.</p>
<p>Abgeschrieben! Fertig! Mit diesem Menschen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Räder, die durch ein Jahrhundert rollten,</p>
<p>Entflammten auf den Pfosten des Johannisfestes.</p>
<p>Gesichter der Radnaben funkensprühend</p>
<p>Heulten, trösteten sich auf den Feldern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>In Vaters Hütte                                                                                    <strong>Grinčiutėn tėvo</strong></p>
<p>Elektrischen Strom eingeführt.</p>
<p>Nach Hause zu Weihnachten</p>
<p>Komme ich zurück.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auf dem Schnee des Heiligabends</p>
<p>Langgestrecktes Kreuz,</p>
<p>Eingeritzt von Strahlen</p>
<p>Aus dem Fenster.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Fenster wie Scheinwerfer</p>
<p>Reiben sich auf,</p>
<p>Noch ein Schritt –</p>
<p>Und sie sprengen das Haus&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich steige über das Kreuz,</p>
<p>Versinke bis auf die Knie.</p>
<p>Beim Weggehen</p>
<p>Werde ich überrollt&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich trage das Kreuz</p>
<p>Von Fenster und Strom</p>
<p>Obgleich es dieses Haus</p>
<p>Nicht mehr gibt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich sehe</p>
<p>Auch die Petroleumlampe,</p>
<p>Hineingeschmissen in den Schacht</p>
<p>Des Brunnens.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kinderzeitung.</p>
<p>Petroleumlampe.</p>
<p>Ohne Kreuz</p>
<p>Weg von Zuhause.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Führe ins Herz</p>
<p>Elektrischen Strom ein,</p>
<p>Doch schnell</p>
<p>Verblinde ich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Auf dem Gehöft, wo wir Kirschen klauten                                       Sodyboj, kur vogėm vyšnias</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auf dem verlassenen Hof, zerstört wie ausgebrannt,</p>
<p>liegt der Ofen und steht der Schornstein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Ofen schämt sich seiner Nacktheit ungemein,</p>
<p>auf ihm wärmte das Alterchen sein Rheuma.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dem Ofen ist es so kalt –</p>
<p>Darauf wälzen sich die Wolken.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Schornstein ist einsam wie ich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Weisse Röslein leuchten wahnsinnig.</p>
<p>Wissen sie etwa von nichts?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Grüne Äpfel und Kirschen.</p>
<p>Wissen sie etwa von nichts?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Brunnenschwengel. Bleiernes Wasser.</p>
<p>Ich trinke.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Als ob ich zum letzten Mal trinken</p>
<p>Und zum letzten Mal einschlafen würde&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>Kalt, klar.                                                                       <strong>Šalta, aišku</strong></p>
<p>Einfach, schwer.</p>
<p>Der März spaziert</p>
<p>Über knisternden Schnee.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Verlust gewinnt.</p>
<p>Was soll’s. Einverstanden.</p>
<p>Auf den Lippen Eiszapfen</p>
<p>stechen glasscharf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>Paris ist voll von Russen,                                                 <strong>Paryžiuj pilna rusų</strong></p>
<p>Die schon lange nicht mehr</p>
<p>Unsere Nachbarn sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Paris ist voll von Polen,</p>
<p>Die schon lange nicht mehr</p>
<p>Unsere Brüder sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Seltsam, untereinander</p>
<p>Reden sie</p>
<p>Nicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sie tun sogar,</p>
<p>Als ob</p>
<p>Sie nicht verstehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und wir</p>
<p>Nichtemigranten</p>
<p>Verstehen sie.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Voyage                                                                         Vojažas</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Schmierige Blümchen</p>
<p>der Eisenbahn entlang.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Unmelioriertes Polen</p>
<p>versorgt mit Kranichen und Störchen uns</p>
<p>sowie die beiden deutschen Lande.</p>
<p>Inmitten Europas zimperlich</p>
<p>Weidet verschuldet die junge Kuh&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mondschein, naive polnische Kasernen.</p>
<p>Ein wenig Munition.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wie ein Spitzel beobachte ich</p>
<p>die rote Venus über Polen.</p>
<p>Gott erlaubt noch,</p>
<p>daß hier Bäume wachsen</p>
<p>und Habichte brüten –</p>
<p>so viel Glück am Patriotismus,</p>
<p>neben dem revoliutionären Gdansk.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>So viel, etwas</p>
<p>zum Befriedigen der Ambitionen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wohl auch die rote Venus</p>
<p>mit Gottes Einverständnis</p>
<p>(hier vergibt er</p>
<p>die Unzucht für Frömmigkeit),</p>
<p>zusammen mit dem Mond</p>
<p>beleuchtet das geheime Treffen,</p>
<p>das heute morgen in aller Munde ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>die weiße Brust                                                               <strong>Baltą krūtinę</strong></p>
<p>den offenen Haydn</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>im Zug außer Atem geraten</p>
<p>vor very good</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>im Zug außer Atem geraten</p>
<p>vor very good</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>im Zug aus malerischen</p>
<p>Ruinen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>von knackigen Schülerinnen</p>
<p>umringt</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Leda verwundert</p>
<p>in Armen des Schwans</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>im Zug</p>
<p>im Schnellzug</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Der erste Schnee                                                                               Pirmasis sniegas</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Altes Weib putzt das Fenster.</p>
<p>Streifiges Glas quietscht.</p>
<p>Gegen das Fenster prallt der Tag.</p>
<p>Regen und Schnee brechen aus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Schnee leicht allmählich</p>
<p>Nähte klaffende Pfützen zu.</p>
<p>Das Kind trug einen Schneeflocken –</p>
<p>schöpfte beide Sandale voll Wasser.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich denke an Nichts, an Schnee,</p>
<p>die Stirn gegen das Fenster gerammt –</p>
<p>kälter, nüchterner, ganz gleich&#8230;</p>
<p>Verzeiht mir&#8230;</p>
<p><strong>***                                                                                  Tas pats viskas tas pats</strong></p>
<p>das Gleiche alles das Gleiche</p>
<p>ein Mädchen beim Sammeln der Ahornblätter</p>
<p>eine Uhr, die um zwölf drei behauptet</p>
<p>mit alten Bomben verprügelte Altstadt</p>
<p>hinkender betrunkener Künstler</p>
<p>ein Detektiv mit blanken Augen</p>
<p>rauchender trinkender essender Badestrand</p>
<p>glitzernde Masse bestellter Beifallklatschender</p>
<p>eingeschlafener oder toter Passant</p>
<p>unifizierte fette Soldaten</p>
<p>naive Worte je vous aime</p>
<p>blühende Radspeichen des Pferdewagens</p>
<p>verwundete Natur und Gesetze</p>
<p>Poeten zu Übersetzern geworden</p>
<p>Priester das Lateinische vergessen</p>
<p>psst</p>
<p>es regnet ins Löwenzahnfeld</p>
<p>der See bis auf Verzweiflung glatt</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Aus dem Leben eines Königreiches                           Iš karalystės gyvenimo</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Wahrheit</p>
<p>einfach</p>
<p>wie</p>
<p>Okkupation.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Frieden</p>
<p>offensichtlich</p>
<p>wie</p>
<p>Lügengeschichten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Eintracht</p>
<p>fest</p>
<p>wie</p>
<p>Parodie.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>„Ihren</p>
<p>Applaus</p>
<p>halte ich</p>
<p>für Zustimmung“.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>L.B.                                                          <strong>Mielas drauguži</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Lieber Freund,</p>
<p>souffliere der Geschichte keineswegs,</p>
<p>was sie im Kopf</p>
<p>behalten soll -</p>
<p>sie wird sich nur</p>
<p>an deine</p>
<p>Beschränktheit erinnern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Gespräch zwischen dem Vater und Nachbar              Tėvo ir kaimyno pokalbis</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Allmächtig ist diese Wissenschaft,</p>
<p>Weil sie echt ist.</p>
<p>Wer sie nicht verstehen kann,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und wer, eine Täuschung,</p>
<p>Kann allmächtig sein,</p>
<p>Wenn kräftig gedroschen wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Staat ist eine Maschine</p>
<p>Mit Zahnrädern, Schrauben und Walze</p>
<p>Die mit Ellbogen eins auf die Zähne haut.</p>
<p>Die Liebe des Staates sind Eisenbahnen,</p>
<p>Und sie führen weit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Idee                                                                               Idėja</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vornehme Märsche durchsausten das Herz.</p>
<p>Die Beine dumm im Takt der Trommeln.</p>
<p>Ein Fest! Lustig.</p>
<p>Unruhevoll und traurig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ein Irrtum, wo es keinen geben durfte,</p>
<p>Und die Verdammten hatten recht,</p>
<p>Der König befiehlt eine Gnade für Gott,</p>
<p>Das Paradies wird Naschern zugeschoben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich fliehe nach Hause. Die arbeitslose Darre</p>
<p>Atmet mit Äpfeln.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Belehrungen für den Sohn                                                                Pamokymai sūnui</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sogar der Beste von den Besten</p>
<p>Sogar im Paradies Platz machen muss.</p>
<p>Und wenn du der Schlechteste von den Besten,</p>
<p>Und wenn du der Beste von den Schlechtesten,</p>
<p>Und wenn du der Schlechteste von den Schlechtesten bist?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sogar im Paradies</p>
<p>Kommen vor</p>
<p>Sogar Fehler.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich habe dir gesagt, daß alles gut ist,</p>
<p>Aber du hast nicht auf mich gehört.</p>
<p>Ich habe dir gesagt, daß alles schlecht ist,</p>
<p>Aber du hörst nicht auf mich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bist du etwa so gleichgültig</p>
<p>Oder so hinterhältig?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Am wichtigsten ist die Mathematik.</p>
<p>Ohne sie ist das Leben null und nichtig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zweimal zwei –</p>
<p>Zählt man vier,</p>
<p>Dreimal drei –</p>
<p>Sieben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>solche                                                      tokie</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>solche haben großen Erfolg</p>
<p>mit solchen Dingen</p>
<p>deren sie sich wert sind</p>
<p>welche sie selbst sind</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>solche haben rasendes Glück im Leben</p>
<p>als ob sich dem Teufel verschrieben</p>
<p>solche gewinnen immer mühelos</p>
<p>solche freuen sich wahnsinnig</p>
<p>an solchen perlt das Unglück ab</p>
<p>wie Wasser an der Gans</p>
<p>und dieses Wasser ist wie Quecksilber</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>solche haben viel Glück mit Sachen</p>
<p>die keine Rechtfertigung verlangen</p>
<p>obwohl sie alles lügen</p>
<p>(mindestens ein Wörtchen Wahrheit!)</p>
<p>alle glauben ihnen</p>
<p>weil sie</p>
<p>hellblaue Augen haben</p>
<p>unendlich offenes Gesicht</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>solche! sie haben sogar keine Zahnschmerzen</p>
<p>und wenn schon dann erträglich</p>
<p>und wenn schon Zahn ziehen dann leicht</p>
<p>als ob sie ganz an allem oberflächlich wären</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>solche lösen kein Versprechen ein</p>
<p>solche betrügen jeden Augenblick</p>
<p>solche dienen allen Spionageagenturen</p>
<p>was sie nicht wissen erfinden sie</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>solche muss man fangen</p>
<p>wenn sie nicht einzuholen sind erschießen</p>
<p>verbrennen die Asche tief begraben</p>
<p>weil solche verdammt radioaktiv sind</p>
<p>und die ganze Welt sittlich verderben</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>solche trennen sich schmerzlos</p>
<p>solchen bleibt keine Unruhe übrig</p>
<p>sie erleben gar kein Mitleid</p>
<p>doch sie werden von allen</p>
<p>wie auf Vereinbarung geliebt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mensch                                                   Žmogau</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>buckelig vor Schuld</p>
<p>vor Gottesfurcht</p>
<p>artig (vielleicht bleibt die Strafe aus?),</p>
<p>wirst du von allen Spähtrupps verfolgt,</p>
<p>über diesen Verrat wissen alle und jeder</p>
<p>besprechen ihn wie abgeschlossenen Krieg,</p>
<p>zwei Scharfschützen klettern schon die Leiter herauf</p>
<p>wie brünstige Kater,</p>
<p>der Rücken harrt einer Kugel</p>
<p>wie untreue Frau des Geliebten,</p>
<p>und du wiederholst dasselbe das eine –</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>ungerecht jedes Wort ungerecht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>(Birken zwischen den Kiefern</p>
<p>kapitulieren mit Appellationen</p>
<p>vor dem Herbst).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>heute ist die Welt wahr und gerecht      Šiandien pasaulis tikras ir teisingas </strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Schweine durchwühlen den Schriftstellerhof</p>
<p>ein Mähdrescher heult auf dem Fußboden</p>
<p>seine Lieder summt das Volk vor sich hin</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>heute ist die Welt wahr und gerecht</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>mit Sirenen eilten die Feuerwehrleute zu Mädels herbei</p>
<p>während der Mittagszeit die Kantine zur Mittagspause geschlossen</p>
<p>in die Ode Fehler einschleichen lassen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>heute ist die Welt wahr und gerecht</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>der Fotograf weidet inmitten der Feier</p>
<p>würdig herumfuchtelnd macht er Kunst</p>
<p>wohlgesinnt kichert verwirrte Tänzerin</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>heute ist die Welt wahr und gerecht</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>da wird noch die grün gealterte Kanone krachen</p>
<p>da wird noch die zusammengesunkene Glocke aufwiehern</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Inventaraufnahme                                                        Inventorizacija</strong><strong> </strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>das Leben –</p>
<p>ein Häufchen zerriebener Kalender, Notizblöcke –</p>
<p>mit Familiennamen, Details, Zentnern, Kälbern;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>das Leben –</p>
<p>Schubladen mit Negativen,</p>
<p>in Säcke werden sie geschüttet,</p>
<p>fluchend: so umständlich;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>das Leben –</p>
<p>ein Stapel Fotos,</p>
<p>sie passen nicht herein in Müllcontainer,</p>
<p>sie werden querbeinig durch die Tür geschleudert,</p>
<p>nur ein durchgetretenes Foto stiehlt man sich unter den Arm –</p>
<p>mit Storchnest darauf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Macht und Wille                                                          Galia ir valia</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich wache am Telefon,</p>
<p>das von allen vergessen.</p>
<p>Niemandem freilich die Nummer gesagt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hier ist es nicht schwer.</p>
<p>Hier wird niemand anrufen.</p>
<p>Und wenn schon – weder Fragen noch Antworten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich wache am Telefon,</p>
<p>Rauche, obwohl ein Nichtraucher,</p>
<p>Würde anrufen, kann aber nicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dieses Telefon</p>
<p>Hat einen Kabel.</p>
<p>So war der Wille.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich würde schlafen, will aber nicht.</p>
<p>Würde weglaufen, doch nicht gestattet.</p>
<p>Verstehe nicht, doch was soll denn das.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>So ist der Wille, so ist die Macht –</p>
<p>Nicht zu überwinden</p>
<p>Sogar von Gott.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Was hat man noch zu sagen,</p>
<p>Wenn Er</p>
<p>Nicht mehr auf dem Programm steht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>Blumen seltsame flammende Blumen                                <strong>Gėlės keistos liepsningos gėlės</strong></p>
<p>Blumen an deinem Gesicht Blumen</p>
<p>Blumen von neuen Marktständen</p>
<p>Aus kleinem Korb der Händlerin</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Blumen seltsame flammende Blumen</p>
<p>Blumen deine Augen Blumen</p>
<p>dein Gesicht weicht meiner Erinnerung</p>
<p>nur Blumen seltsame flammende Blumen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>ich möchte                                                                      <strong>Norėčiau pievoj</strong></p>
<p>auf der Wiese</p>
<p>deinem hastenden Herzen lauschen</p>
<p>der schnellen fleißigen Ameise</p>
<p>deinem hastenden Herzen</p>
<p>ich möchte</p>
<p>abends</p>
<p>im Zug</p>
<p>dir sagen</p>
<p>schlaf</p>
<p>schlaf</p>
<p>weit ist noch die Fahrt</p>
<p>lang ist noch die Nacht</p>
<p>ich drücke deinen zierlichen Kopf an mich</p>
<p>du fällst in den Schlaf</p>
<p>abends</p>
<p>im Zug</p>
<p>mit dem Wunsch daß die Fahrt lebenslang wäre</p>
<p>abends</p>
<p>im Zug</p>
<p>würde ich versuchen dir leise vorzusingen</p>
<p>hinter dem Fenster im Laufschritt die Nacht</p>
<p>hinter dem Fenster im Laufschritt die Nacht</p>
<p>hinter dem Fenster im Laufschritt die Nacht</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>Wie soll ich hineinkommen, nein,                                                           <strong>Kaip įeit</strong></p>
<p>nicht kommen – hineinschleichen, eindringen</p>
<p>in deine Seele?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wie soll ich durchsickern</p>
<p>in deine Seele?</p>
<p>Was würdest du tun</p>
<p>in meiner Hoffnungslosigkeit?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Würdest du wiederholen:</p>
<p>im Wort Hoffnungslosigkeit</p>
<p>steckt das Wort Hoffnung?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>der letzte Brief                                                                                   Paskutinis laiškas</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>immerhin sage dir es ist der letzte</p>
<p>blasse Nacht Vilnius steinalt</p>
<p>ungeliebt bin ich ungeliebt</p>
<p>doch der letzte letzte letzte</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>die reine Liebe erwürgen</p>
<p>mit Pech und Glas übergießen</p>
<p>in den luftdichten Keller stecken</p>
<p>zwischen radioaktivem Abfall</p>
<p>es gäbe weder den peitschenden Puls</p>
<p>noch deine kindischen Augen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>immerhin sage dir es ist der letzte</p>
<p>ich küsse angstvoll dein Haar</p>
<p>weder mit dir noch ohne dich</p>
<p>doch der letzte letzte letzte</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>die reine Liebe erwürgen</p>
<p>Gott du bist so leicht</p>
<p>in die Schläfen stieg die Uhr ein</p>
<p>deiner Lippen Sauerstoffmasken</p>
<p>wie die Knospe klebriger Lippen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>hallo ich bin’s mit Liebe aussätzig</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>einsam allein                                                                                         <strong>Viena vieniša</strong></p>
<p>unter dem fremden Himmel</p>
<p>du weinst</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>einsam allein</p>
<p>unter dem heimischen Himmel</p>
<p>du weinst</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>einsam allein</p>
<p>unter dem eigenen Himmel</p>
<p>du weinst</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>einsam</p>
<p>allein</p>
<p>geliebt</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>Ich trank deinen                                                                                   <strong>Gėriau tavo</strong></p>
<p>Himbeertee,</p>
<p>Ohne dich zu lieben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Rastlos</p>
<p>Lief ich dir hinterher -</p>
<p>Aus lauter Muße.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich kaufte dir</p>
<p>Gelbe Blumen</p>
<p>Und bewunderte sie.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich wiederholte,</p>
<p>Daß ich dich liebe,</p>
<p>Aus Lust zum Reden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich schreibe</p>
<p>Dieses Gedicht für dich</p>
<p>Und lüge von Anbeginn.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>spielte spielte kaputt ging die Platte                                                       <strong>Grojo grojo sugedo plokštelė</strong></p>
<p>je vous aime je vous aime je vous aime</p>
<p>aber sie schlafen und schlafen und schlafen</p>
<p>je vous aime je vous aime je vous aime</p>
<p>stehen bleiben stehen bleiben soll der Plattenspieler</p>
<p>doch guten Morgen die Nadel ist scharf</p>
<p>sie müssen aufwachen aufwachen</p>
<p>er soll küssen küssen</p>
<p>ihre leichte breit gelaufene Brust</p>
<p>je vous aime je vous aime je vous aime</p>
<p>sie muss sagen sagen</p>
<p>jetzt sind wir so vertraut</p>
<p>aber sie schlafen und schlafen und schlafen</p>
<p>je vous aime je vous aime je vous aime</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Hochmütiger hochlitauischer Junge                            Aikštingas aukštaiti vaikine</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sinntflut der Wonne, verrückte Leidenschaft,</p>
<p>Mondsucht, hungrigen Glauben&#8230;</p>
<p>(das Recht mit Recht bestreiten,</p>
<p>Vor Liebe ist niemand gestorben).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Allmacht der Liebe, unverdorbenen Reif,</p>
<p>Das Leben durch Lippen strömend&#8230;</p>
<p>(Erträglich auch das Geköpftsein,</p>
<p>Tauche auf aus dem Balsam der Träume).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich rede irre, ich bete vor dir,</p>
<p>Mein Veilchen, mein Schwan&#8230;</p>
<p>(Kein Gott bin ich, nur verworfene</p>
<p>Frau. Was zittert er so?)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>(Von Zweifeln gefesselte Schritte</p>
<p>Führen ins Unglück, zu einem Fehler).</p>
<p>Es wäre nicht so schlecht,</p>
<p>Wenn es nicht so gut wäre.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>(Musste man etwa so leben,</p>
<p>Musste man etwa so leiden&#8230;)</p>
<p>Ein Augenblick, und weiss wird Löwenzahn</p>
<p>Blauäugig der Himmel, blauäugige Mädchen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>Worüber können wir noch reden? –                                <strong>Apie ką dar mes galėsime šnekėtis</strong></p>
<p>Über gespaltenes Eigelb des Sonnenuntergangs&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Was können wir noch lieben? –</p>
<p>blütenschweren Apfelbaum bis zum Frühreif,</p>
<p>unsere ungehorsame Kinder&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Was sind wir noch imstande zu bemittleiden? –</p>
<p>unsere aderig werdende Beine,</p>
<p>nimmer ruhende&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Was werden wir uns teilen?</p>
<p>unsere verwitterte Seelen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wir schweigen, schweigen –</p>
<p>alles ist entweder nicht wahr</p>
<p>oder nicht nötig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Träume sind mit Ammoniak vergiftete Fische,</p>
<p>die Liebe ist</p>
<p>ein Reh, das sich in der Schlinge erwürgte&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Trostsuche                         Pasiguodimas</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mir vergeht alles schnell, vergeht nicht,</p>
<p>Mir kommt’s schnell wieder, kommt nicht.</p>
<p>Faul zum Verstehen, erlebnissgierig bin ich,</p>
<p>Kirschbäume blühen, zum Entschluß reif die Zeit –</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Plötzlich stehen bleiben mit Blick auf den Himmel</p>
<p>Wachsen hinein ins Blaue und in den Frühling,</p>
<p>Werden zu einem stummen, doch lebendigen Stein</p>
<p>Und die Erinnerung für alle Ewigkeit bewahren&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Woran sich erinnern? – Was wird mich fragen</p>
<p>Ein Mädchen, das leise weinend bei mir sitzt.</p>
<p>Wir reden schüchtern bis zum Morgengrauen</p>
<p>Solange sich der Steinmetzbohrer Ruhe gönnt&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>verweiblichte Klassenfreundinnen                                    <strong>Sumoterėjusios klasės mergaitės</strong></p>
<p>schleppen Kinder und Einkaufstaschen</p>
<p>schelten stoppelige Ehegatten</p>
<p>lächeln wenn sie mich sehen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>als ob ich jener Schüler wäre</p>
<p>als ob ich wie kein anderer zermürbt</p>
<p>als ob ich zu meiner Frau besser wäre</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>sie denken ich schreibe noch Gedichte</p>
<p>so kann ich doch kein Schuft sein</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>wie gut daß keine von ihnen</p>
<p>die Poesie wegen mir verdammte</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>Die Uhr ist mein                                                              <strong>Laikrodis &#8211; vienintelis</strong></p>
<p>einziger Verbündeter –</p>
<p>sie geht noch mit mir.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Zigarette ist meine</p>
<p>einzige Buhlerin  –</p>
<p>sie küsst mich noch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Poesie ist meine</p>
<p>einzige Liebe –</p>
<p>noch ist sie unglücklich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>Ich esse allein. Lästig                                                      <strong>Valgau vienas</strong></p>
<p>der Welt und sich selbst. –</p>
<p>Weil es Abend ist und die ganze Welt</p>
<p>war nicht so, wie ich sie brauchte.</p>
<p>Der Fernseher. Auf dem Eis</p>
<p>tanzt eine Frau</p>
<p>klitzeklein Tango</p>
<p>schlägt mit dem Fuß.</p>
<p>Die Welt</p>
<p>klatscht für sie Beifall,</p>
<p>und niemand denkt daran,</p>
<p>daß ich</p>
<p>esse</p>
<p>allein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Hotel                                                       Viešbutis</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vom Schnee voll geweht der Kopf,</p>
<p>Bis in die Knochen biss der Wind,</p>
<p>Die Brust läuft voll im Schiffsgeheul,</p>
<p>Die Augen vom Leuchtturm zerstochen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Du bist allein, Allmächtiger&#8230;</p>
<p>Du möchtest einsam sein.</p>
<p>Gar nichts fehlt dir, es ist nur kalt,</p>
<p>Vielleicht nicht kalt, weiss nicht&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es tut nichts weh, nicht mal ein Zahn,</p>
<p>Die Kravatte lockerte ihre Schlinge.</p>
<p>Die Zeitungen werden geliefert</p>
<p>Und sind schon morgen veraltet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zum siebenten Mal wachst du auf.</p>
<p>Vor blanker Ungewissheit oder Wind?</p>
<p>Wenn du wach bist, sieht es nach Leben aus.</p>
<p>Die Nacht wird allerdings vergehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es gibt hundert vorsichtige Augen,</p>
<p>Die dich in der Nacht nie sahen.</p>
<p>Scheinbar lebst du, wenn’s kalt ist</p>
<p>Auf Dienstreise, in der Verbannung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Liebesvierzeiler                                                           Meilės ketureiliai</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ewig schiebt sich der Süden nach Norden,</p>
<p>von den Eiszeiten zurückgeworfen…</p>
<p>&#8230; Verdammte süße Träume,</p>
<p>die Sehnsucht deiner Finger&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>kein Sommer nur der traurige Wind</p>
<p>du bist weg nur drosselnde Erinnerungen</p>
<p>ich bin weg nur das Meer am Strand</p>
<p>die Frauen liegen platt wie tote Fische</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>das Lagerfeuer übergossen von Regen</p>
<p>halb verbrannter Holzscheiten herbes Geruch</p>
<p>das Erschaudern deiner Zärtlichkeit</p>
<p>bin ohnmächtig in die Verse zu setzen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>Über den Fluss, der aus den Ufern getreten,</p>
<p>stampfte ein Kuss sieben Jahre zu spät.</p>
<p>Baldige Rückkunft der Wahrheit verkündete</p>
<p>die Lerche – zum Leben erweckter Erdklumpen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>Efeu – Brandstifter des Hauses –</p>
<p>stellte unsre Hände zur Schau,</p>
<p>im Septemberwind fliegend,</p>
<p>ewige unsere Hände&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>kein Regen wird dein pechschwarzes Haar</p>
<p>auswaschen kupferbraun deine Augen</p>
<p>der Regen bläst deiner Lippen Funken</p>
<p>mit Baumsaft regnet tolle Leidenschaft</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>bittersüss die letzte Zigarette</p>
<p>atemlos die letzte Lagerstatt der Liebe</p>
<p>und der Mantel schwarz wie Kluftentiefe</p>
<p>bedeckt den harrenden Fußboden</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>leg nicht mehr auf leg nicht von neuem auf</p>
<p>wehmütige unnütze schon Oginsky-Platte</p>
<p>am Fenster flimmert bald der Ikarus vorbei</p>
<p>und die gleichgültige Seele hört auf zu hungern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>Die Lippen versagen – ist es gewesen,</p>
<p>eigenes oder fremdes Geflüster</p>
<p>festklammern an Kinderbettgittern</p>
<p>in liebem Gefangensein der Familie.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>Blüte der Frau</p>
<p>weiss wie Erdbeerblüte</p>
<p>Blüte der Frau</p>
<p>kurz wie Erbeerblüte</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ansichtskarten des Meeres                                                             Jūros atvirukai</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Menschen,</p>
<p>wie lebt ihr da-</p>
<p>Solch ein Lärm!&#8230;</p>
<p>Braust</p>
<p>und braust</p>
<p>das Meer&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Heute nacht sind die Leuchttürme überflüssig           Šiąnakt švyturiai nereikalingi</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Je höher,</p>
<p>desto mutiger,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>jei weiter,</p>
<p>desto klarer,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>je dunkler,</p>
<p>desto entschiedener&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Wind zerzaust das Meer.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Einzelhof                                                 Vienkiemis</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>wir treiben gegen Wind</p>
<p>das Schiff wird verfolgt</p>
<p>von gierigen frechen</p>
<p>räuberischen Möwen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>wir treiben gegen Wind</p>
<p>über die Wellen</p>
<p>läuft vor Ampfer</p>
<p>errötete Wiese</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>wir treiben gegen Wind</p>
<p>durch die Felder</p>
<p>erhobenen Hauptes</p>
<p>kommt der Vater</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>wir treiben gegen Wind</p>
<p>der Wind wird stärker</p>
<p>und die Möwen zerbrechen</p>
<p>und die Sonne erblasst</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>wir treiben gegen Wind</p>
<p>am Abend</p>
<p>sehe ich am Hauseingang</p>
<p>bloßen Haares die Mutter</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Der Sturm                          Audra</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>wenn ein verkaterter Seemann sich endlich an seine Frau</p>
<p>heranmacht</p>
<p>und sich beim Rasieren schneidet</p>
<p>im Bad</p>
<p>rufen sie ihn in den Hafen und treiben alle Schiffe</p>
<p>allesamt</p>
<p>aufs Meer hinaus</p>
<p>alle wie fremde dreckige</p>
<p>Hunde</p>
<p>wie im Traum laufen die Schiffe bewegungslos</p>
<p>vom Ufer</p>
<p>wie im Traum können sie nicht</p>
<p>aufwachen</p>
<p>alle Schiffe mit knarrenden</p>
<p>Schläfen</p>
<p>können nicht</p>
<p>das Zuhause</p>
<p>nicht sehen</p>
<p>der Seemann findet keinen</p>
<p>Ärger mehr</p>
<p>mit Rauch der nassen Zigarette gesteht er jeden bekannten</p>
<p>Frau</p>
<p>und schlüpft durch das Schlüsselloch zur Köchin</p>
<p>Natascha</p>
<p>ihr Schreck verschwindet</p>
<p>plötzlich</p>
<p>und beide warten</p>
<p>schweigend</p>
<p>auf die Welle,</p>
<p>die gegen den Schiffsbug</p>
<p>kracht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>der Deck                            Denis</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>dieses Schiff schwimmendes Morast</p>
<p>von Tauen verfaulenden Schuhen</p>
<p>pechbesudelten Bärten Zigarren</p>
<p>schwellenden Lippen die hinabhängen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>angetrunkenes Meer beginnt sein Regby</p>
<p>es nimmt das Schiffchen für ein Ball</p>
<p>jemand flucht jemand kotzt jemand lacht</p>
<p>jemand reibt die Gitarre gegen die Wand</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>trotzdem geht fremd die Ehefrau</p>
<p>trotzdem schwanger die Schulzeitliebe</p>
<p>trotzdem löst sich das Leben im Meer auf</p>
<p>und das Meer wird mit ihm vergeben</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>Flüsse strömen, sie                                                          <strong>Upės teka</strong></p>
<p>Nutzen den Menschen viel.</p>
<p>Die Flüsse sind unerraten, schön.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ist noch etwas unter der Sonne</p>
<p>Nachsichtiger als ein Fluss?</p>
<p>Sie fliessen und fragen nicht nach dem Namen des Volkes,</p>
<p>des Volkes, dem sie Nutzen bringen,</p>
<p>sie geben Menschen und Pferden zu trinken,</p>
<p>sie ertränken Feinde,</p>
<p>sie treiben Papierschiffchen und Flöße,</p>
<p>sie treiben auch Herbizide und Müll,</p>
<p>sie treiben alles, was der Mensch loslässt,</p>
<p>sie treiben auch Sonnenuntergänge,</p>
<p>und das Gefühl, daß ich dich vermisse&#8230;</p>
<p>Die Flüsse sind stark und geduldig,</p>
<p>Die Flüsse schlafen nicht, wenn sie schlafen,</p>
<p>Die Flüsse sind nicht eifersüchtig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Doch die Flüsse sind traurig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>Singe, seltsamer nie gesehener Vogel,                  <strong>Čiulbėk neregėtas paukšteli</strong></p>
<p>Singe selbstvergessen. Ich gehöre dir.</p>
<p>Ich ziehe meinen unschweren Karren</p>
<p>Langsam, weil unbekannt der Weg.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Geruch der Kartoffelernte drückt Tränen aus.</p>
<p>Die Wolken durchsieben den Birkenwald.</p>
<p>So viele Lieder brachte die Welt hervor</p>
<p>Auf dem Papier, doch sie gedeihten kaum&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wahrscheinlich habe ich unrecht.</p>
<p>Wahrscheinlich&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***                                                                           <strong>Pavasaris ir aš</strong><strong> </strong></p>
<p>der Frühling, und ich</p>
<p>rede etwas, singe etwas,</p>
<p>eile irgendwo hin, fahre irgendwo her,</p>
<p>halte auf halbem Wege an vergesse warum</p>
<p>und weiss nicht – wer bin ich</p>
<p>und was ich denke,</p>
<p>nur der Frühling und zitterndes Dunkel,</p>
<p>kläffen schäbige Hunde,</p>
<p>der Frühling und ich,</p>
<p>fanden Harmonika und geselligen Abend,</p>
<p>tanzen mit Mädchen und Frauen,</p>
<p>beeilen uns nicht nach Hause,</p>
<p>aus Angst vor Ehefrau pausenlos tanzen,</p>
<p>beeilen uns nicht nach Hause&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Gelbe Kamillen                                       Geltonos ramunės</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auf dem Lehmboden braun wie Hund,</p>
<p>auf dem Lehmboden hart wie Stein</p>
<p>flammen Kamillenbrücken&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&#8230;gelb,</p>
<p>gelbe Augen, gelbe Wimpern,</p>
<p>gelb&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***<strong> Vagos ir bobos</strong></p>
<p>Ackerfurchen und Weiber,</p>
<p>Wolken der Kartoffelernte,</p>
<p>Georginen wie Sumpf,</p>
<p>im prachtvollen Rot&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>habe etwa</p>
<p>auch ich</p>
<p>das Leben verspielt,</p>
<p>habe etwa</p>
<p>auch</p>
<p>ich</p>
<p>geirrt?&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Erde</p>
<p>ist es gleich,</p>
<p>was</p>
<p>in mir</p>
<p>vorgeht.</p>
<p>Die Natur</p>
<p>ist beschäftigt</p>
<p>mit dem eigenen Tod.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***                            <strong> Tą rudenį</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Diesen Herbst</p>
<p>waren die Birnen</p>
<p>schwer schluckbar.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Diesen Herbst</p>
<p>ätzte</p>
<p>das bittere Dampfbad.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Diesen Herbst</p>
<p>flogen weg</p>
<p>alle Bienen,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>neben den Tannen am Sumpfrand</p>
<p>reiften blutige Äpfel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Diesen Herbst</p>
<p>ist mein Sohn</p>
<p>geboren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Ende September                                                           Rugsėjo pabaiga</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>alle Lindenbäume sind gleich gelb</p>
<p>der Sonnenuntergang schön wie du</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>komm her</p>
<p>das Herz hüpft wie ein Kind</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>der Herbst ist sanft</p>
<p>wie du</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> Tai vėl kadais girdėtas valsas</strong></p>
<p>***</p>
<p>Es ist wieder der einst erklungene Walzer,</p>
<p>Es ist wieder das einst vertraute Lächeln.</p>
<p>Unmöglich, dich wieder nicht zu lieben.</p>
<p>Du hast es überhört und fragst nur “Was?”</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nur etliche Sommer, nur ein Walzer,</p>
<p>Septembermonate, ein paar Weihnachten.</p>
<p>Wann ist es Zeit, die Veilchen zu betrachten,</p>
<p>Geklettert auf die Linde aufzuseufzen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nur einige Winter, um den Schnee zu kosten,</p>
<p>Nur einige Erdbeeren, für jeden die Hälfte.</p>
<p>Ich liebe dich mehr als es war zu erwarten,</p>
<p>Es ist jedoch kein Tag mehr zum Erwachen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Über dem heissen Gras des Flughafens                                           Virš karštos oro uosto žolės</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Weisse Sandaletten</p>
<p>Drücken die Füsse.</p>
<p>Du ziehst sie aus. Ich weiss nicht,</p>
<p>Willst du, daß ich auf dich warte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Natürlich warte ich. Barfuss</p>
<p>Fange dich mit den Augen</p>
<p>Auf heissem Gras. Der Flughafen</p>
<p>Rot und glatt wie flüssiges Kupfer.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vom heissen Gras des Flughafens</p>
<p>Erheben sich der Himmel und Bienen. Ich möchte,</p>
<p>Daß eine von ihnen dich sticht, damit ich</p>
<p>Den Stachel mit Lippen herausziehen könnte,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Damit nicht alles gesagt werden muss,</p>
<p>Kein Geständnis ausgesprochen</p>
<p>Über dem heissen Gras des Flughafens</p>
<p>Der Riese Himmel als Zeuge.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Sonnenwende                                                               Lygiadienis</strong><strong> </strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mein Federbett riecht nach Tanne,</p>
<p>Ihre Brust passt in meine Hand hinein.</p>
<p>Der Morgen ging auf im Herzen.</p>
<p>Hoch sind die Lerchen,</p>
<p>Tief die Dotterblumen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Eine Spielplatte aus dem 19. Jahrhundert,</p>
<p>Die sich versteckt hielt vor Kriegen und Revolutionen,</p>
<p>Reisst den Wecker aus grauem Schlummern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Lass uns die Uhren einstellen -</p>
<p>Sollen sie gleich vorgehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Von der Kinderheit stehlen                                                               Ką nors pavokim iš vaikystės</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wirf aus den Fingern</p>
<p>Diese erhitzte Bratpfanne –</p>
<p>Lass uns ohne Gäste am Wein niederknien,</p>
<p>Lass uns von der Kindheit etwas stehlen –</p>
<p>Damals, als wir durch den Wald gingen,</p>
<p>Als uns der Regen verfolgte,</p>
<p>Mal stürzte er Hals über Kopf,</p>
<p>Mal lief er im leichten Trott,</p>
<p>Als im Wind über dem Eis Riedgras brannte –</p>
<p>Kroch suchend die riesige Flamme,</p>
<p>Als nasse Krähen</p>
<p>Die Kirschbäume stürmten,</p>
<p>Als im Birkenwald</p>
<p>Bitter</p>
<p>Der Baumsaft roch&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Höre mir zu,</p>
<p>Höre mir aufmerksam zu:</p>
<p>Wie leichtsinnig trällert der Wind&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wenn es Herbst wird und kalt,</p>
<p>Nehme dich mit,</p>
<p>Meine braune Sommerfrucht,</p>
<p>Meine fortdauernde Liebe.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Tagebuchseite                                                       Dienoraščio lapelis</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Tagebuch, wann nehme ich dich überhaupt noch? –</p>
<p>Aus der Schulzeit die letzte Eintragung.</p>
<p>Was mir aber heute nacht in den Sinn kam,</p>
<p>Nach Luft ringend will ich aufschreiben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wie im Reisefieber um vier wach geworden,</p>
<p>Klarer Befehl, was gemacht werden soll –</p>
<p>Wie ein Telegramm muss ich verkünden:</p>
<p>Es ist besser dich nicht mehr zu sehen!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Frohen Herzens wieder im Bett daheim</p>
<p>Mit süssem Schlaf den Ausweg erwärmt.</p>
<p>Die Freiheit wähnte ich und tanzte allein,</p>
<p>War faul, die Nachricht zu versenden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Tagebuch, ist gut auf dich zu treffen,</p>
<p>Ich habe allerdings nichts mehr zu sagen,</p>
<p>Lediglich: „Am Morgen schien die Sonne,</p>
<p>Dann fing der Regen an zu prasseln!“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***<strong> Spindėjimas tavo akių</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>deiner Augen Strahlen</p>
<p>schwimmen durch Frühjahrsnebel</p>
<p>fliegen durch raschelnden Herbst</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>was zwischen uns war</p>
<p>wird unser sein</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>deine winzige Hand</p>
<p>wie brennende Kerze</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Tränen</p>
<p>freche Männer weinen</p>
<p>wiederholen Worte aus altem Roman</p>
<p>viele viele Jahre sind vergangen</p>
<p>seit unserem ersten Zauberpfad</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>was zwischen uns war</p>
<p>wird unser sein</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>***<strong> Kaip saulė pro ašaras</strong></p>
<p>Wie die Sonne durch Tränen -</p>
<p>So will ich schreiben&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nein! Nur du -</p>
<p>Die Sonne durch Tränen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich habe dich so lange nicht gesehen&#8230;</p>
<p>Du -</p>
<p>Sonne durch Tränen</p>
<p>An jenem Abend, der mir düster in Erinnerung geblieben</p>
<p>Als meine Schritte sich entfernten -</p>
<p>Meine Schritte über die auseinanderfallende Leiter</p>
<p>In das angstvolle kalte Tal, endlos -</p>
<p>In das Leben</p>
<p>Ohne</p>
<p>Dich&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Der verbotene Eigenname                                          Uždraustas tikrinis vardas</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Du bist die einzige,</p>
<p>Die alle neidlos</p>
<p>Lieben können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Du bist die einzige, zu der</p>
<p>Man immer</p>
<p>Wachsen muss.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Du bist die einzige,</p>
<p>Die uns</p>
<p>In Schutz nimmt,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mein Gott,</p>
<p>Wie meine Mutter.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Du bist die einzige,</p>
<p>Die uns</p>
<p>Zum Weinen bringt,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Du bist die einzige,</p>
<p>Die uns</p>
<p>Aufstehen lässt,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Des verbotenen Eigennamens</p>
<p>Existenz.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>Vom Wind platt geklatschtes Pferd            <strong> Vėjo priplotas arklys</strong></p>
<p>Hält eines Bauern stolze Joppe</p>
<p>Rebellisch wie Fahne hoch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vom alten Gesicht</p>
<p>Alte Stimme -</p>
<p>Litauische Sprache.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der verbotene Eigenname, wieder lebendig,</p>
<p>Über alle Höhen des Regens,</p>
<p>Über alle Breiten der Winde.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Du, Leben,</p>
<p>Meines Vaters träges Pferd!</p>
<p>Gib mir zu verstehen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Heimat Litauen, die Gesundheit,</p>
<p>Solange ich sie</p>
<p>Nicht verloren habe.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Erdbeeren für die Mutter                                            Žemuogės mamai</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wenn ich jemals gut war –</p>
<p>Als ich die Mutter</p>
<p>Vor dem Regen brachte in Schutz.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wenn ich jemals die ganze Welt liebte,</p>
<p>Dann war es die Mutter –</p>
<p>Wir harkten Heu aus dumpfen Gräben,</p>
<p>Ich verbat ihr schlammige Armvoll zu schleppen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wenn ich jemals verstanden habe ein Mensch zu sein -</p>
<p>Auf dem Heimweg, am Waldrand entlang,</p>
<p>Reichte ich eine Handvoll Erdbeeren:</p>
<p>Iss, Mutter, -</p>
<p>Der Kopfweh hört auf&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>unbedingt fahren wir unbedingt                                        <strong>Būtinai važiuosim būtinai</strong></p>
<p>du wirst meine Heimat sehen</p>
<p>ein Feld Eiche und Wolkenhaufen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>windzerzauster Roggen glänzt</p>
<p>wie von der Kuh abgelecktes</p>
<p>eben geworfenes Kalb</p>
<p>ich trug es umschlungen im Arm</p>
<p>durch Riedgras Heide Erlenwald</p>
<p>die Kuh ging müde neben mir</p>
<p>blökte und ich bekam etwas ab</p>
<p>von ihrer fleißigen Zunge</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Erinnerungen</p>
<p>es gibt der Freude</p>
<p>keine Tränen mehr</p>
<p>den Browning der Wildbienenzigarette</p>
<p>braune Kamillen</p>
<p>den Pfad im Laufschritt</p>
<p>blitzschnellen Walzer auf dem Maifest</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>nur fahles</p>
<p>Gott</p>
<p>welch fahles</p>
<p>Kirchweihfest des Heiligen Antanas</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Der Morgen wird kommen                                           Išauš</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Du kannst es nicht mehr schaffen</p>
<p>Oder hast es nicht mehr geschafft</p>
<p>Brennholz zu hacken,</p>
<p>Das im Wind schimmert blank.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Du kannst dich ausruhen,</p>
<p>Wenn die Ruhe da ist.</p>
<p>Der Schwalbenflügel</p>
<p>Schneidet die Arterie.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Geschmack von Tannenzweigen -</p>
<p>Jagd oder Totenfeier?</p>
<p>Auf dem Boden kühle die Füße,</p>
<p>Mit dem Kissen bändige die Unruhe.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ermutige dich –</p>
<p>Der Morgen wird kommen!</p>
<p>Drohe dir selbst –</p>
<p>Der Morgen wird kommen!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Der Mensch                      Žmogus</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Mensch züchtete Schafe und streichelte sie,</p>
<p>und beim Schlachten</p>
<p>weinte er.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Mensch verscharrte einen Hund,</p>
<p>als ob es seine Frau wäre:</p>
<p>er häufelte die Erde mit den Händen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Mensch bekreuzigte alte Pferde,</p>
<p>die in den Autos standen gegen Wind</p>
<p>beharrlich wie Schiffe,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>beharrlich,</p>
<p>stark,</p>
<p>todeseigen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Mensch deckte fertig das Dach,</p>
<p>sah auf den Himmel, zerfloss im Rausch,</p>
<p>er kam nicht zurück in sein altes Haus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Regen fand den Menschen:</p>
<p>eingeschlafen,</p>
<p>den Balken umarmt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Mensch träumte</p>
<p>vom eigenen Tod</p>
<p>und dem neuen Zuhause.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Mensch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Beeile dich nicht mehr                            Nebeskubėk</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hänge für den Winter die Sense auf,</p>
<p>Zwänge die Harken hinein –</p>
<p>Der Spinnwebenfrost wird glänzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Stütze das Stroh mit Stangen –</p>
<p>Schon schleichen heran die Winde,</p>
<p>Das Regenwetter.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ziehe, Mensch, die Lampe hervor,</p>
<p>Geh zum Petroleumladen,</p>
<p>Unterlass nur das Saufen:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wie willst der Kuh in die Augen schauen,</p>
<p>Wenn du sie ungemelkt</p>
<p>stehen lässt?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Schneide die Zeitung in Streifen,</p>
<p>Klebe die Fenster zu,</p>
<p>Geh nach Kartoffeln sehen:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht ist es zu warm im Haufen –</p>
<p>lüfte,</p>
<p>Lass nur keine Mäuse herein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Jetzt,</p>
<p>Mensch,</p>
<p>schlafe.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kannst du nicht einschlafen? Dann bete</p>
<p>Oder träume.</p>
<p>Beeile dich nicht mehr.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***<strong> Vėlyvos vasaros naktie&#8230;</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Du, Spätsommernacht,</p>
<p>gib ein Obdach unter dem Reuter auf Grumtfeldern,</p>
<p>gib mir den Apfel, der halb in den Kiesweg vergraben –</p>
<p>als Proviant für die Reise:</p>
<p>der Herbst seufzte dumpf ins Gesicht –</p>
<p>du wirst mit ihm gehen müssen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Die Ruhe                           Ramybė</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bushaltestelle auf der Bank</p>
<p>sitzt eine Frau</p>
<p>das Gesicht in den Händen vergraben</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>neben ihr steht ein Eimer</p>
<p>voll Bücher</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>was immer du fragst</p>
<p>beantwortet sie mit keine Ahnung</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>am schwarzen Haus</p>
<p>ganz unten</p>
<p>an der Erde</p>
<p>mit gesunkenem Kopf</p>
<p>langsam langsam</p>
<p>käut die Kuh wieder</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>scheinbar</p>
<p>die Ruhe</p>
<p>scheinbar</p>
<p>die Ruhe</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>nichts mehr –                                                                                        <strong>Nieko daugiau&#8230;</strong></p>
<p>nur im Roggenfeld schmales Pfad</p>
<p>nur Vater und Mutter vor dem Hauseingang,</p>
<p>nur auf der Pappel der Kuckuck&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Möge es nächstes Jahr auch so sein,</p>
<p>Möge es über hundert Jahre bleiben..</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Zu Hause                                                 Namie</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich sehe, dieser Birnbaum ist auferstanden -</p>
<p>War schon ganz ausgedorrt, nun jeden Herbst&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Den wilden Apfelbaum wollte der Vater schon fällen,</p>
<p>doch die Mutter hielt ihn an und rügte.</p>
<p>Jetzt sind seine Äpfelchen größer,</p>
<p>doch sauer und herb wie zuvor.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dieser Lindenbaum ist genauso wie früher.</p>
<p>Nur, scheint es, an einer anderen Stelle.</p>
<p>Neben ihm gibt es kein dorniges Pflaumengestrüpp mehr,</p>
<p>wo der Vater schlachtete Schafe und Felle abzog;</p>
<p>wo einmal das Blut schoss – wie Messer gegen die Brust&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Von den Pappeln ist keine mehr übrig geblieben.</p>
<p>Dort oben rief lange der Kuckuck –</p>
<p>Ich zählte die Jahre des Lebens.</p>
<p>Dafür ist aber groß die Lärche,</p>
<p>war einst so hoch wie ich.</p>
<p>Die grüne, reine Lärche.</p>
<p>Die Mutter pflanzte es an im Blumengarten</p>
<p>Neben Kapuzinerkressen, Klee und Rauten.</p>
<p>Auf der Lärche zieht sich die Stromleitung hin.</p>
<p>Man braucht sie nicht mehr.</p>
<p>Bald soll alles abgerissen werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wenigstens den Ahorn erlöse ich mit Schnaps –</p>
<p>an seinen Ästen haftete gefrorener Baumsaft.</p>
<p>Ich kletterte hinauf und kaute die Eisstückchen –</p>
<p>es war mein Himmel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Vater liess zum Schein das Türschloss hängen -</p>
<p>Nur zusammengedrückt, nicht zugesperrt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Fußboden aus festgestampftem Lehm ist schwarz und kalt,</p>
<p>durchgetreten von meinen Fersen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Hausregeln                                             Namų įstatymai</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Durch kaltes Gras des Johanissbeergestrüps</p>
<p>Trage schweren Brotlaib zum Speicher,</p>
<p>Die Wange ans heißes Kreuzeszeichen gepresst,</p>
<p>Eingedrückt mit der Hand meiner Mutter.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Lebe.</p>
<p>Atme.</p>
<p>Weine dich aus.</p>
<p>Pflanze einen Garten.</p>
<p>Schneide die Bretter.</p>
<p>Tränke das Pferd.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Gehe zur Kirchweih.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Schlage nicht!                                         Nemušk</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Erspar deine Prügel dem Pferd,</p>
<p>Das dich trägt.</p>
<p>Schlage das Pferd nicht –</p>
<p>Die Last ist ihm zu schwer.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Warum hast du</p>
<p>Deine Kinder geschlagen?</p>
<p>Deine</p>
<p>Kleine Tochter!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Du entschuldigst dich</p>
<p>Vor Gott</p>
<p>Du entschuldigst dich</p>
<p>Vor der Erde.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bist du ein schlechter</p>
<p>Mensch?</p>
<p>Du hast Angst</p>
<p>Schlecht zu sein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Du schlägst</p>
<p>Niemanden mehr.</p>
<p>Nur</p>
<p>Dich selbst.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Californian dream</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>die Bäume erwachten nachts</p>
<p>und nahmen die Dusche</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>wir machen viele Fehler</p>
<p>und berichtigen sie immer</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>wir lieben so stark</p>
<p>daß wir manchmal sterben</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>wir sehnen uns so sehr</p>
<p>daß wir an den Gräbern trauern</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>wahrscheinlich da</p>
<p>Vater wahrscheinlich da</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>wenn es da ist</p>
<p>dann wird es gut</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>es wird</p>
<p>sehr gut</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Kolaps</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>es sind ja keine Erdbeeren sondern das Blut</p>
<p>es ist keine Hoffnung mehr sondern der Tod</p>
<p>grausam wund unromantisch</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>wir jagten und jagten der Sonne nach</p>
<p>erwischten eben noch den Sonnenuntergang</p>
<p>zu spät wohl wach geworden</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Schwärme von Schwärmereien</p>
<p>in Moorbrüchen deiner Seele</p>
<p>Veilchenschare Paradiesäpfel</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>ein Fehler groß wie die halbe Welt</p>
<p>erscheint vor dem Tode als Veilchen</p>
<p>du klagst über das Leben dem Herbst</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>den Nistkasten verkauft den du hoch gezogen</p>
<p>den Apfelbaum vergessen den du hinaufgekletert bist</p>
<p>aus Angst vor Herbst aus Angst vor Himmel</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>die halbe Wahrheit roter Schlund der jungen Vögel</p>
<p>die halbe Wahrheit Schnee auf der Nistkastenlatte</p>
<p>zäher Lehm am Übungsfeld des Militärs</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>gegen aufgedunsene stumpfe Busslichter</p>
<p>wie Schmetterlinge prallen naive Schneeflocken</p>
<p>welch verworfene Mädchen welch vornehme Stimmen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>alles begann unrichtig</p>
<p>alles endete unglücklich</p>
<p>das wollte der gelbe Himmel</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>auf den vermoderten Turm steigen</p>
<p>über den moorigen See schreiten</p>
<p>zu viel wollen mit Worten sagen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>schade wegzugehen</p>
<p>hier sind so viele dicke Wolken</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>am Speicher singe ich bei Blitz und Regen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Hand des Vaters                                                          Tėvo ranka</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Tod im Reif der Blüten,</p>
<p>Der Tod meines Vaters.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Unter der Sonne standen wir beide,</p>
<p>Heute stützt niemand mehr die Schulter.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im Nebel des Mittelmeeres</p>
<p>Berühre ich die Augen des Vaters,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die mich wie immer empfangen</p>
<p>Mit halbwegs mutigem Blick.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Seele des Vaters</p>
<p>Führt meine Hand.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Hand des Vaters</p>
<p>Bekreuzt meinen Weg.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Er war der Vater.</p>
<p>Vielleicht war er Gott.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die größten Wünsche                            Didžiausi norai</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>nur bestimmte Wünsche</p>
<p>nicht die allergrößten</p>
<p>erlaubst dir zu gestehen</p>
<p>ohne Appellation deine Verteidigung</p>
<p>hart</p>
<p>wie man das Leben verteidigt</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>die größten Wünsche sind nicht gestorben</p>
<p>doch nicht zu verkünden</p>
<p>und ich wiederholte sie wie Rache</p>
<p>wie in der Prügelei</p>
<p>ich liebe</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>meine größten Wünsche</p>
<p>danke</p>
<p>jagten mir</p>
<p>keine Krankheit ein</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>meine größten Wünsche</p>
<p>wie amerikanische</p>
<p>Weihnachtskarten</p>
<p>flaumig</p>
<p>farbig</p>
<p>aufbewahrt</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>über alte Pflastersteine dich begleiten                               <strong>Senu grindiniu tave lydėti</strong></p>
<p>im Tunnell warmer Lindenbäume</p>
<p>berühren ein Wunder deine Lippen</p>
<p>überstürzt nach Hause laufen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>die Nacht ist kurz</p>
<p>in deine Augen schauen</p>
<p>umarmen dich lindenschwer</p>
<p>leicht wie Wolkenhauch</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>bleiben bis zum kühlen Morgen</p>
<p>wann die wässrige Dämmerung</p>
<p>verschwommener Lippenfleck</p>
<p>die Nacht ist kurz so kurz</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>Dein Lächeln leicht -            <strong>Tavo </strong><strong>š</strong><strong>ypsena lengva</strong></p>
<p>im Juni Dämmerlicht</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ist dein Gesicht klein</p>
<p>oder groß meine Hand</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>am letzten Frühlingstag,</p>
<p>in erster Sommernacht?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Erdbeeren                                               Žemuogės</strong><strong> </strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Du warst nicht lange da wie Erdbeere.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Du – Harmonika am Sommerabend.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wann die Harmonika am Sommerabend</p>
<p>Gehe ich, wo die Waldlichtung grünt,</p>
<p>wo die Erdbeeren blühen,</p>
<p>wo es nur damals war –</p>
<p>Erdbeeren, neu geborene Mücke,</p>
<p>der Liebe zärtliche Riesenschlange.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Flammen der Feier                                                       Šventės liepsnos</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zucker, kleine Münzen, Brot ist alle</p>
<p>zu Ende die Liebe und Wasser</p>
<p>im Eimer. Der Mietetermin lief aus.</p>
<p>Die Radiobatterien versiegten.</p>
<p>Der letzte Zigarettenstummel verraucht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Freunde aufgeben – niemand wird kommen.</p>
<p>Ich lache allein – nicht mehr seltsam.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und die Menschen? Die Menschen</p>
<p>hängen freudlos Fahnen auf,</p>
<p>lächeln lustlos und prahlen –</p>
<p>aus banger eingeprägter Pflicht</p>
<p>und sind nur zu Hause mutig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Möwen stehen langbeinig auf nassem Sand.  Žuvėdros stovi ant šlapio smėlio</strong><strong> </strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Welle schneidet den Möwen die Beine ab,</p>
<p>Die Möwen attackieren den Wind,</p>
<p>Wissen sie etwa, wohin sie fliegen wollen,</p>
<p>Daß sie so hartnäckig angreifen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Wind bricht den Möwen die Flügel,</p>
<p>Schmeisst sie ins Wasser –</p>
<p>Du hast viel geträumt und weisst viel,</p>
<p>Jetzt weisst du es wirklich –</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das Meer siehst du nur am Strand.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>***</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Schon sind die Wörter unermesslich groß,                       <strong>Jau žodžiai dideli begaliai</strong></p>
<p>Schon geht die Vollendung auf in Lügen.</p>
<p>Kein Seufzer für die Rettung – theatralisch –</p>
<p>Deckt man den Tisch für das Festmahl des Alltags.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hier passt kein einziges Wort dazu.</p>
<p>Glaube weder an Weg noch an Umweg.</p>
<p>Das Vaterhaus tut nicht mehr leid und der Garten,</p>
<p>Braungefleckte Kuh, von Betrunkenen zermartert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht wär’s schon Zeit zu verstehen,</p>
<p>Vielleicht wär’s schon Zeit zu enthülsen.</p>
<p>Doch wird es so wie es war. Vielleicht schlimmer?</p>
<p>Es wird einfach: Future simple.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vom langen Schlaf in nassgeschwitztem Bett erwache ich –</p>
<p>Liegt noch Morgentau, ist die Fährte noch nicht erloschen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Vorrat                                                      Atsarga</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In Jackentaschen und Schubladen</p>
<p>Verstecke ich einige Münzen</p>
<p>Für den Notfall.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Unter Dachsparren und Büchern</p>
<p>Lege ich deine Fotos</p>
<p>Für gute Erinnerungen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Unter den Wolken und Wellen</p>
<p>Suche ich mir einen Ort</p>
<p>Für die ernsthafte Reise.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Fehler                                Klaida</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es war</p>
<p>Der größte</p>
<p>Fehler.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es war</p>
<p>Der fatale</p>
<p>Fehler.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es war</p>
<p>Der unverbesserliche</p>
<p>Fehler.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht</p>
<p>War es kein</p>
<p>Fehler?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Leider                                                                           Deja</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Stille Stund wie gegen Hund gehetzter Hund</p>
<p>Und klare Wörter: Alles klar!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ambitionen, Schuld und Angst vor dem Verlieren</p>
<p>Erlauben keine Fragen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Oder waren es</p>
<p>Vorwürfe?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Leider,</p>
<p>Ambitionen, Schuld und Angst vor dem Verlieren&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Von der Brücke in den Fluß                                        Nuo tilto į upę</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wenn du</p>
<p>auf der</p>
<p>Brücke</p>
<p>mit Gedanken</p>
<p>an Selbstmord</p>
<p>spielst</p>
<p>und hast Angst</p>
<p>herunterzuspringen,</p>
<p>dann</p>
<p>siehst du,</p>
<p>daß</p>
<p>auf der Eisscholle Krähen hocken und fahren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Eisscholle</p>
<p>Nimmt Krähen mit: Sie machen sich breit</p>
<p>Und gehen auf Reisen.</p>
<p>Der Fluß dampft,</p>
<p>Wärmt</p>
<p>Die Herzen</p>
<p>Der Krähen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Leben                                                      Gyventi</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Süß ist zu leben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Erlebe den morgigen Tag.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beschlage, beschlage</p>
<p>Pferde</p>
<p>und Schuhe!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Rauch</p>
<p>unterwegs in den Himmel,</p>
<p>das Leben unterwegs in den Sinn,</p>
<p>die Seele einer Hure gleich</p>
<p>ist besser als frommes Kirchweib.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Balettänzerin lebt.</p>
<p>Balettänzerinnen laufen schön die Straße entlang. –</p>
<p>Kipp von der Seele Sandsäcke hinunter!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auf dem Bürgersteig</p>
<p>begegne ich</p>
<p>einem Kind. Es weint.</p>
<p>Ich brauche ein Kind,</p>
<p>dem es schwerer sein wird</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>als mir.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mein Freund Säufer                                                    Mano draugas girtuoklis</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mitten im Taubenschlag fehl am Platze die Krähe –</p>
<p>auch sie strampelt herum, wo die Brotkrümmel fliegen,</p>
<p>auch sie wartet, schau nur mal, auf Geschenke,</p>
<p>schnappt sich eins und pickt auf manierlich&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auch er – dieser gründlicher Säufer –</p>
<p>auch er – sehen Sie – fuhr nach Palanga,</p>
<p>auch er &#8211; was du nicht sagst – badete –</p>
<p>war ihm nötig wie Faust aufs Auge.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Steckte ins Meer sein leichtes Leib</p>
<p>mit dünnem schmutzigem Bart,</p>
<p>auch er rannte ja in die Wellen</p>
<p>mit der Hälfte des kranken Magens.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich war am Meer, sagte er, habe gebadet,</p>
<p>und schämte sich seiner eigenen Worte,</p>
<p>senkte die Lider, hob sie wieder –</p>
<p>trinken kann er’s nicht nennen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ratschläge                        Patarimai</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Männer</p>
<p>Brennen</p>
<p>Wie Giraffen Dalis&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mensch! Leicht verfällst du</p>
<p>Einer gleichgültigen, verspielten Frau.</p>
<p>Sinkst hinein, als ob du nicht wüßtest.</p>
<p>Was ist einem Menschen zu raten,</p>
<p>Damit er vernünftig bleibt,</p>
<p>Auf Analogien achtet?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Richtige Wörter</p>
<p>Nerven dich,</p>
<p>Hilflose Wörter.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Krankhaft</p>
<p>Verlierst an Gewicht,</p>
<p>Scheinbar Verjüngerung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mensch!</p>
<p>Spürst keinen Regen mehr,</p>
<p>in den Gliedern kein Weh.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Du übersiehst</p>
<p>Die Erdbeeren.</p>
<p>Du überlebst die Ersparnisse.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dir gehört es, nur dir</p>
<p>Das Feuer verbrennt alles,</p>
<p>Sogar gut gemeinte Ratschläge.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Noch ein Vorwurf für den Menschen                          Dar vienas priekaištas žmogui</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mensch! Du hast doch nicht gefunden</p>
<p>Einen Roman, verloren im Stadtgewirr,</p>
<p>Den Stock, an der Zauntastatur weggelaufen</p>
<p>Durch die laute, unbekümmerte Welt?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Keine Suche nach dem angeblich verlorenen Leben,</p>
<p>Als dir</p>
<p>kleine Münzen abhanden kamen</p>
<p>Hast du geweint?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich versuche zu hören was du brummst:</p>
<p>„Die Verlorene!</p>
<p>Auf der Wiese am Burghügel</p>
<p>Kindisch sahen aus deine Schultern,</p>
<p>Ich dachte damals sogar:</p>
<p>Dies Glück wird lange währen! Auf Ewigkeit!..</p>
<p>Ich bin hoffnungslos dumm –</p>
<p>Kraftlos dich nicht zu lieben!“</p>
<p>Mensch!</p>
<p>Alt sind Realitäten deines Romans,</p>
<p>Der Stock verleiht dir keine Eleganz,</p>
<p>Spröde Nerven treiben keinen Sproß,</p>
<p>Der großen Liebe lediglich ein Bild,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nur ein altes ungemaltes Bild,</p>
<p>Das du am besten unter Rausch beschreibst.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Emanzipation eines Mannes                                                             Vyro emancipacija</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Frauen, die Beine haben,</p>
<p>Frauen, die gehen können,</p>
<p>Frauen, die Hälse haben,</p>
<p>Frauen, die blicken können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Frauen, die in Verzweiflung treiben,</p>
<p>Frauen, die den Himmel erheben,</p>
<p>Frauen, die nach dem Weg fragen,</p>
<p>Frauen, die die Hand ausstrecken.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Sieg kommt wenn sich die Augen öffnen,</p>
<p>Der Sieg kommt wenn nicht mehr nötig.</p>
<p>Die Siegesfeier erst nach einer Niederlage,</p>
<p>Erst wenn man satt vom Abend getrunken.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>An die Bestie                                                                                     Bestijai</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ein Leben &#8211; sprunghaft, überstürzt,</p>
<p>Hastig rudernd ein langes Boot</p>
<p>Öder Einsamkeit und leichter Qual,</p>
<p>Geduldlos, wenn auch hoffnungsvoll,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit einem Kranz, nur nicht aus Dornen,</p>
<p>Einem Stein des Einsturzes absichtlich</p>
<p>Den Tritt versetzt,</p>
<p>Wildfang, vorzeitig das Krankenbett verlassen –</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Lass die Zügel gänzlich los.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Freie Dichter im freien Litauen                                  Laisvieji poetai laisvos Lietuvos</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit Gezwinker gegen die echten Fahnen,</p>
<p>Den Weg hinter sich im klapprigen Auto,</p>
<p>Weder ihrem erträumten Staat, noch der Tochter,</p>
<p>Noch der Barschlampe gestehen sie Liebe.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Einer malt verkümmerte Zwergkiefern,</p>
<p>Der andere schabt „D“ am Mercedes,</p>
<p>Der Sejmas ergiesst sich in Gedichten,</p>
<p>Für Poesie gibt’s kein Papier mehr.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Alles hat der dichtende Prälat geschrieben,</p>
<p>Alles hat der staubige Zug versüsst.</p>
<p>Wenn die Litauer hoch hinaus wollen,</p>
<p>Stehe, Dichter, nicht zwischen der Tür.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sowjetische Erinnerungen                                           Tarybiniai prisiminimai</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ein Poet</p>
<p>verdiente keinen Groschen,</p>
<p>verlor alle Schlüsseln,</p>
<p>die recht nützlich,</p>
<p>unrasiert, unnüchtern, ohne Führerschein,</p>
<p>schwärmte für eine Schlampe</p>
<p>auf braunen Kothurnen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Tagesordnung, Pflichten und Arbeit vergessen,</p>
<p>das Kind vorgestern im Kindergarten,</p>
<p>der junge Dichter</p>
<p>verlangte nach Bier,</p>
<p>doch die Stadt</p>
<p>hatte nur</p>
<p>Milch zu bieten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Einfach in Klaipeda                                                         <strong>Tiesiog Klaipėdoj</strong></p>
<p>Einfach lebe ich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hier ist wenigstens der Himmel schön.</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Girtas kunigas</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Apr 2011 16:18:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Viešpatie, išblaivink šią akimirką Girtą, deja, girtą kunigą – Vaikams pirmoji Komunija, Jie tokie balti ir švarūs. &#160; Silpnas Tavo ir mūsų tarnas: Nors žinojo – Mišios laukia Ir šimtai pakylėtų vaikų, Tačiau, o Viešpatie, tačiau&#8230; &#160; Dievas išklausė. Liežuvis kunigui Nustojo pintis, bet veidas Liko netvarkytas, paburbęs. Gerai, jei vaikai nesuprato, &#160; Kad žodžiai, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viešpatie, išblaivink šią akimirką</p>
<p>Girtą, deja, girtą kunigą –</p>
<p>Vaikams pirmoji Komunija,</p>
<p>Jie tokie balti ir švarūs.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Silpnas Tavo ir mūsų tarnas:</p>
<p>Nors žinojo – Mišios laukia</p>
<p>Ir šimtai pakylėtų vaikų,</p>
<p>Tačiau, o Viešpatie, tačiau&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dievas išklausė. Liežuvis kunigui</p>
<p>Nustojo pintis, bet veidas</p>
<p>Liko netvarkytas, paburbęs.</p>
<p>Gerai, jei vaikai nesuprato,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kad žodžiai, gražūs žodžiai sau,</p>
<p>O gyvenimas sau.</p>
<p>O gal tie žodžiai apie Dievą</p>
<p>Taip apėmė vaikučių sielas,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kad jie nematė pagiringo veido,</p>
<p>Traiškanotų kunigo akių?</p>
<p>Tikėkime, tėvai namuose neprasitarė,</p>
<p>Tikėkimės – viskas gerai.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Komjaunimo, partijos, profsąjungų priraginti,</p>
<p>Mes automatiškai paklausiame:</p>
<p>Jei Dievas neturėjo laiko,</p>
<p>Kur žiūrėjo tvarkingas klebonas,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kodėl jis pasielgė taip neatsargiai,</p>
<p>Palikdamas silpnąjį kunigą vieną:</p>
<p>Vieną didžiulėje bažnyčioje,</p>
<p>Vieną Šventajai Aukai,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vieną vaikų baltajam debesiui,</p>
<p>Kupinam stebuklo ir drebulio,</p>
<p>Sklidinam dievybės ir džiaugsmo,</p>
<p>Prismaigstytam rūtų ir fotoaparatų?</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title></title>
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		<pubDate>Wed, 13 Apr 2011 16:16:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Tėvas be perstojo pynė ir pynė krepšius – Vienodai, lėtai, paniūniuodamas, Švytuodamas vytelėm ir kietai paspausdamas. Visi turėkite ką nešti! &#160; Atlaikę aibes bulviakasių, Krepšiai pragyvens ir mane Valstybės jaujose, kamarose, daržinėse Ant tūkstantmečių slenksčio. &#160; O vienas kitas likęs pagriovy – Atviras debesų pyragams, Pilnačiai,  žvarbai ir lietui, Ir kojos spyriui. &#160; Jis gali [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Tėvas be perstojo pynė ir pynė krepšius –</p>
<p>Vienodai, lėtai, paniūniuodamas,</p>
<p>Švytuodamas vytelėm ir kietai paspausdamas.</p>
<p>Visi turėkite ką nešti!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Atlaikę aibes bulviakasių,</p>
<p>Krepšiai pragyvens ir mane</p>
<p>Valstybės jaujose, kamarose, daržinėse</p>
<p>Ant tūkstantmečių slenksčio.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>O vienas kitas likęs pagriovy –</p>
<p>Atviras debesų pyragams,</p>
<p>Pilnačiai,  žvarbai ir lietui,</p>
<p>Ir kojos spyriui.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Jis gali akimirkai tapti arklio batu,</p>
<p>Plūgo kliuviniu, laužo pažiba.</p>
<p>Bet jų užteks.</p>
<p>Tėvas paliko kai ką patvaraus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mama be perstojo mezga ir mezga kojines,</p>
<p>Atkakliai, užmiršdama pavalgyt –</p>
<p>Apauna ji visus: vaikus ir provaikaičius,</p>
<p>Ir kas tik beužeina kojines gauna.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Galėtų apauti visą Lietuvos kariuomenę,</p>
<p>Kad nešaltų ant plikojo  Afganistano.</p>
<p>Mama iš senų suknelių ir marškinių</p>
<p>Neria ir neria kilimėlius –</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Spalvotus kaip ramunės,</p>
<p>Margus kaip gyvenimas –</p>
<p>Nukloję Klaipėdą, Panevėžį  ir Winter Parką.</p>
<p>Mama palieka kai ką gražaus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mano eilėraščiai – jie nėra tokie ilgaamžiai  kaip tėvo krepšiai,</p>
<p>Jie nėra tokie šilti kaip motinos kojinės ,</p>
<p>Jie nėra tokie gražūs kaip mamos kilimėliai,</p>
<p>Na ir aš ne toks atkaklus – todėl jų nedaug.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Rezoliucija</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Apr 2011 15:29:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://vadovas.egles-leidykla.lt/?p=51</guid>
		<description><![CDATA[Nerašyk man meilės laiškų – Jie gali būti užkrėsti juodlige. Nesiųsk pas mane pašto balandžių – Paukščių gripą užneš . &#160; Gyvensiu vienas. Stebėsiu debesis ir šarkas. Nesiklausysiu radijo. Nebeskaitysiu laikraščių. &#160; Nors būtina, Bet nesitarsiu Nė su gydytoju, Nė su vaistininku.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nerašyk man meilės laiškų –</p>
<p>Jie gali būti užkrėsti juodlige.</p>
<p>Nesiųsk pas mane pašto balandžių –</p>
<p>Paukščių gripą užneš .</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Gyvensiu vienas.</p>
<p>Stebėsiu debesis ir šarkas.</p>
<p>Nesiklausysiu radijo.</p>
<p>Nebeskaitysiu laikraščių.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nors būtina,</p>
<p>Bet nesitarsiu</p>
<p>Nė su gydytoju,</p>
<p>Nė su vaistininku.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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